So war das Way Out West in Schweden
Slottsskugen-Befeierung in Göteborg [02.09.2009]
Ein Stadt-Festival im Schlosspark von Göteborg. 25.000 Besucher, Hammer Line-up – klingt doll, is’ doll! Schwedens zweitgrößte Stadt muss sich nicht hinter everybody´s Darling Stockholm verstecken. Knapp eine Millionen Einwohner hat die Stadt an der Scherenküste West-Schwedens, zählt man alle Rand- und Inselgebiete und die 60.0000 Studenten mit. 1621 waren es Holländer, die städtebauliche Ideen aus Amsterdam und Java in der Hafenstadt umsetzten. Dieser Niederländische Einfluss ist vor allem an den Grachten und der Altstadt zu erkennen. Die Mischung aus Kanälen, historischen Bauten und Parkanlagen ergibt – zusammen mit den Schweden selbst – ein sehr charmantes Gesamtbild. In einem dieser öffentlichen Parks, dem Schlosspark „Slottsskugen“, fand das Way Out West Festival 09 statt. Zeitgleich findet by the way ein städtisches „Kulturfest“ mit zig weiteren Bühnen, Ausstellungen und Aufführungen statt. Also Programm satt für ein Wochenende.
Zwei Bühnen wurden auf dem Festivalgelände im Ping-Pong-Schedule bespielt plus eine weitere Zeltbühne. Zusätzlich spielten abends noch weitere Bands in sieben lokalen Clubs in der Innenstadt – wie u.a Rise Against, Echo & The Bunnymen, Erol Alkan, Deerhunter, Final Fantasy oder die Punk Rock Legenden Adolescents. Alles in Geh-weite.
Aber zurück zum Schlosspark: Freitag ging es Schlag auf Schlag: Bon Iver, Beirut, Grizzly Bear, Band of Horses, Robyn, Florance & The Machine, Wilco, Anthony & The Johnsons mit den Göteborg Symphoniker, Röyksopp, Glasvegas, Arctic Monkeys & Fever Ray etc. Schon beim ersten Act – Bon Iver - auf der Zeltbühne um 14.30 Uhr gab es kaum mehr ein Reinkommen. Und auch wenn er eher etwas für kleinere intime Clubs ist, feierte das Publikum die Band ab und sang kräftig mit.
Robyn holte sich u.a. Dr. Alban für „No Coke“ auf die Bühne, coverte Neneh Cherry´s „Manchild“ oder Salt´n´Peppers „Push“ und perfomte in Burka-ähnlichen Gewändern mit Lykki Li zusammen, um wohl ein Statement gegen das vom afghanischen Präsidenten Karsai geänderte Ehegesetz zu setzen, welches auch nach seiner Änderung einem Freibrief zur Vergewaltigung in der Ehe gleichkommt.
Höhepunkt am Freitag war sicherlich der exklusive Gänsehaut-Auftritt von Anthony & The Johnsons mit den Göteborg Symphoniker.
Dabei gab es kaum Zeit, um sich zwischendurch ein Bier zu genehmigen, was grundsätzlich gar nicht so einfach war. So gab es keine klassischen Bierstände, sondern lediglich eingezäunte Catering-Bereiche, wo auch Bier ausgeschenkt wurde (übrigens keine hochprozentigen Drinks). Aufs Festivalgelände durfte man mit dem Bier dann aber nicht.
Alles sehr entspannt und freundlich auf dem Gelände, wie der Schwede anscheinend wohl ist, wenn wir hier schon die Klischee-Schublade öffnen. Kein Gegröhle oder Alkoholleichen (jedenfalls nicht tagsüber). Dafür lauter schöne Menschen, die auffallend hip gekleidet waren. Der 80er Style ist anscheinend noch lange nicht tot. Schlangestehen ertragen die Schweden übrigens, ähnlich wie die Engländer, mit einer entzückenden Gelassenheit.
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Text: Pete Schiffler

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